Posts mit dem Label Neoliberalismus werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Neoliberalismus werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 28. September 2012

Unser Freiheits-Achim hat wieder zugeschlagen

Gestern abend lief im ZDF wie donnerstags allgemein üblich eine Ausgabe der Sendung "maybritt illner". Diesmal waren nur zwei Gäste geladen und erschienen, und zwar der Bundespräsident der Freiheit Joachim Gauck und die Uraltkanzlerlegende Helmut Schmidt. Thematisch ging es um die Zukunft Europas und die Stabilität der Demokratie:
http://maybritillner.zdf.de/ZDF/zdfportal/web/ZDF.de/maybrit-illner/2942124/24456544/f68bd0/Warum-noch-an-Europa-glauben-.html

In der Sendung griff Helmut "Smoky" Schmidt - der diesmal aber während der 60 Minuten tatsächlich nicht ein einziges Mal gequarzt hat - Kanzlerin Angela Merkel für ihr Verhalten in der Eurokrise erneut an. Dieses rief umgehend Freiheits-Achim auf den Plan, der die Kanzler-Darstellerin auch gleich unter seinen persönlichen Schutz stellte:
http://nachrichten.t-online.de/gauck-verteidigt-merkel-gegen-schmidt-attacken/id_59896642/index
Ich weiß nun aber nicht, ob sich eine derartige Parteinahme für eine bestimmte politische Persönlichkeit mit der überparteilich-neutralen Amtsführung eines Bundespräsidenten überhaupt vereinbart. Aber sei´s drum, dieser selbsternannte Freiheitskämpfer steht eh über allem und jedem.

Weiterhin räumte Gauck ein, dass es in der EU durchaus eine "Wohlstandsdelle" geben könne. Und jetzt kommt´s: Europa sei auch "im Falle einer gewissen Begrenzung der Freude am Leben ein lebenswerter Raum, wegen der Freiheit und wegen der Demokratie". Aha, die staatlich vorangetriebene Verarmung großer Bevölkerungsteile innerhalb der EU zwecks Rettung des Finanzkasinoismus stellt für die davon betroffenen Menschen nach Auffassung des Herrn BP lediglich eine "Wohlstandsdelle" mit einer damit einher gehenden "gewisse Begrenzung der Freude am Leben" dar. Gut, er selbst braucht sich ja um eine Begrenzung seiner eigenen Lebensfreude keinerlei Gedanken oder gar Sorgen zu machen, schließlich hat er als erfahrener Opportunist schon zu Wendezeiten frühzeitig aufs richtige Pferd gesetzt und aufgrund des dadurch erlangten Amtes und Würde bereits vor seiner Einsetzung ins Präsidentenamt bis an sein Lebensende finanziell ausgesorgt gehabt. Da lässt sich nun mal leicht anderen die klaglose Hinnahme einer "Begrenzung ihrer Lebensfreude" schmackhaft machen. Schließlich dürfen all diese nicht so stark  abgesicherten Menschen, wie er nun mal selbst einer ist, in (vermeintlicher) Freiheit und in einer (ebenso vermeintlichen) Demokratie hungern und unter Umständen auch verhungern. "Seid also endlich mal glücklich und zufrieden, denn Ihr verhungert doch in Freiheit!" Ein Zynismus, der wohl nur schwer zu toppen sein dürfte.

Überhaupt, das Wörtchen "Freiheit". So langsam nervt dieser inflationäre Missbrauch dieses Begriffs durch Sie, Herr Bundespräsident! Kriegen Sie denn nicht auch nur einen einzigen Satz hin, in dem dieses Wort mal nicht vorkommt? Ist das bei Ihnen sowas wie ein innerer Zwang? Oder wurde Ihnen irgendwann irgendwas implantiert, das Sie zu dieser übermäßigen Verwendung des Wortes "Freiheit" nötigt?
Ihr Verständnis von Freiheit ist aber sowieso ein gänzlich anderes als meines. Allerdings unterstelle ich mal, dass Sie mein persönliches Verständnis von Freiheit wohl eher nicht verstehen würden. Diese Freiheit nehme ich mir dann mal...

Mittwoch, 26. September 2012

Tod im Jobcenter Neuss

Heute früh gegen 9 Uhr ist es geschehen: Eine 32-jährige Mitarbeiterin des Jobcenters Neuss wurde von einem 52-jährigen "Kunden" durch 3 Messerstiche tödlich verletzt. http://nachrichten.t-online.de/messerattacke-auf-mitarbeiterin-in-neusser-jobcenter/id_59848390/index

Die Pressekonferenz der Polizei mit genaueren Details zu Tathergang und -hintergründen findet am morgigen Donnerstag statt. Somit kann vorerst auch nur darüber spekuliert werden, was diesen Mann zu seiner Tat getrieben haben mag. Um es gleich vorweg zu nehmen - nichts rechtfertigt eine Gewalttat gegenüber anderen Menschen, auch wenn die persönliche Situation des Täters noch so verzweifelt sein mag. Und auch fortwährende Schikane und Provokation "von Amts wegen" sind für mich kein Grund, derart die Kontrolle zu verlieren, auch nicht bei Menschen mit leicht erregbarerem Naturell. Die Tat als solche ist nun mal durch absolut nichts gut zu heißen. Mein Mitgefühl gilt auf jeden Fall den Angehörigen der getöteten Mitarbeiterin.

Dennoch sollte schon sehr genau hinterfragt werden, wieso dieser Mann eine solche Verzweiflungstat begangen hat. Da er die Tatwaffe bereits während des Besuchs beim Jobcenter bei sich trug dürfte er sie anscheinend von zuhause mit dorthin genommen haben. Ging er also bereits mit dem Vorsatz "Heute  passiert was!" zum Jobcenter oder war es eher eine Kurzschlusshandlung? Die Antwort auf diese Frage müsste aber sowieso vorerst rein spekulativ bleiben. Die Kernfrage lautet nun mal: Was trieb den Täter letztlich zu seiner Messerattacke? War es eine über einen längeren Zeitraum aufgestaute Wut auf das Jobcenter allgemein oder nur auf diese eine Mitarbeiterin? Litt er unter zu starkem Druck und/oder Schikanen seitens des Jobcenters bzw. der Mitarbeiterin, drohte ihm evtl. eine Leistungskürzung und falls ja warum?

Ich befürchte, wir werden durch unsere Medien die tatsächlichen Hintergründe niemals genau erfahren. Egal, was diesen Mann zu seiner Bluttat angestachelt haben mag, es wird wohl mal wieder in der Hauptsache auf das "Wer", auf das "Was" und auf das "Wie" eingegangen werden und nicht auf das eigentlich entscheidende "Warum". Seitens der Behördenleitung werden wir aller Voraussicht nach vernehmen, dass die Mitarbeiterin sich im persönlichen Umgang ihren "Kunden" gegenüber stets vollkommen korrekt verhalten habe und ihre Entscheidungen ausnahmslos im völligen Einklang mit den bestehenden Sozialgesetzen und Regelungen getroffen worden seien. Und falls die Mitarbeiterin sich entgegen der offiziellen Verlautbarung doch nicht ganz so korrekt verhalten haben sollte, dürfte dieser Sachverhalt wahrscheinlich eh unter dem Mäntelchen des Schweigens gehalten werden. Schließlich und endlich erfüllen auch die Mitarbeiter bei den ARGen und Jobcentern ja ebenfalls täglich nur treu und redlich ihre schwere Pflicht.

Eine zusätzlich interessante Frage ist: Wie wird die Reaktion aus Berlin auf diese Tat ausfallen? Bestürzung, Entsetzen, Mitgefühl mit den Hinterbliebenen - ok., das sowieso. Aber wird sich vielleicht sowohl der eine oder andere Agenda 2010-Architekt als auch der eine oder andere Befürworter mit dem Gedanken befassen, dass möglicherweise genau dieses "Jahrhundertwerk" mit all seinen Verarmungs-, Druck-, Zwangs- und Schikanepraktiken der eigentliche Auslöser für diese Mordtat gewesen sein könnte? Ich denke eher nicht, das würde schließlich die Feier- und Jubelstimmung eben dieser Architekten trüben, denn schließlich strotzen selbige nur so vor Stolz und Eigenlob hinsichtlich ihres "Meisterwerks" wie jüngst erst auf dem Zukunftskongress der SPD.

Zugestochen hat allein der Täter, das ist wohl wahr. Aber die Hand, die das Messer gehalten hat, wurde im Grunde genommen von den dafür eigentlich veranwortlichen Hintermännern und -frauen in Berlin geführt. Doch werden diese sich das selbst oder gar der Öffentlichkeit gegenüber mit weit mehr als 100-prozentiger Sicherheit niemals eingestehen...

Samstag, 1. September 2012

Agenda 2020 - der 15-Punkte-Plan aus dem Hause Springer

Als Lektüre zum Wochenende hier der sog. 15-Punkte-Masterplan aus der "Welt am Sonntag", um Deutschland - Zitat: - "wieder fit für die Zukunft zu machen":

http://www.welt.de/politik/deutschland/article108798784/Das-ist-der-15-Punkte-Plan-fuer-Deutschland.html

Kurz zusammengefasst beinhaltet dieser "Masterplan" meinem bescheidenen Verständnis nach folgendes:

Machen wir die Armen noch ärmer ("Radikales Reformkonzept" durch absenken des ALG II-Regelsatzes um 30%) und die Reichen noch reicher ("Einfaches, niedriges und gerechtes Steuersystem").

Lassen wir die "Normalbürger" arbeiten bis sie irgendwann umfallen (Rente mit 67 nur als erster Schritt).

Legen wir die Bundesländer derart zusammen, dass diese am Ende nach Möglichkeit ausschließlich von CDU-Ministerpräsidenten regiert werden können und der Bundesrat somit eine reine CDU-Versammlung darstellen würde.

Lassen wir die Energiekonzerne unternehmerisch risikolos bezüglich Nutzung alternativer Energien durch alleinige Kostenumlegung auf die VerbraucherInnen herumexperimentieren.

Gewähren wir eine umfassendere Bildung nur noch denen, die sie sich finanziell auch leisten können. Die Nachkommenschaft aus den weniger vermögenden Bevölkerungsgruppen stecken wir, unabhängig von ihren Fähigkeiten, Begabungen und Talenten, sowieso allein schon aufgrund ihrer Herkunft automatisch in "Drecksjobs" - jedem das Seine halt.

Gewähren wir ebenso eine umfassende medizinische Versorgung nur noch denen, die sie sich leisten können (gilt genauso für den Bereich "Pflege") - Stichwort "noch mehr Eigenverantwortung übernehmen".

Nehmen wir den Gemeinden, von denen viele außer einem Berg von Schulden eh schon nichts mehr haben, mit der Gewerbesteuer auch noch eine der wenigen ihnen noch verbliebenen Einnahmequellen.

Erschweren wir den "Normalbürgern" und "Normalfamilien" die Möglichkeiten zum Erwerb von zwingend notwendigen Dingen des täglichen Bedarfs durch ersatzlose Streichung des Eltern- und Betreuungsgeldes, Abschaffung des ermäßigten Steuersatzes sowie einer Anhebung der Mehrwertsteuer.

Privatisieren wir noch mehr auf Teufel komm raus, bis auch der hinterste Winkel der Lebensbereiche der Menschen von Konzernen und deren Interessen erfasst ist sowie bestimmt wird.

Machen wir das in der Arbeitswelt bereits inoffiziell existierende System des "Hire and Fire" durch komplette Abschaffung des Kündigungsschutzes endlich offiziell.

Vereinfachen wir die Zuwanderung billiger ausländischer Fachkräfte, um dadurch neben dem Damoklesschwert "Agenda 2010" den Lohndruck auf unsere eigenen Arbeitnehmer noch weiter zu erhöhen.

Der Staat muss auch trotzdem weiterhin und gerade dann erst recht noch viel mehr sparen, sparen, sparen, sparen,... usw.

Tja, und wenn das alles genau so umgesetzt würde, dann würden also ausnahmslos alle Menschen in diesem unserem Land in Frieden, Freiheit, Wohlstand und sozialer Sicherheit leben können dürfen sollen müssen.
Sorry, aber ich kann beim besten Willen in diesem "Masterplan" nirgendwo einen "Fitmacher" erkennen, sondern lediglich eine reine Menschenverachtung und den Wegweiser in die totale Wirtschafts-/Marktdiktatur.
Es möge sich aber jede(r) selbst die 15 Punkte ausführlich durchlesen. Vielleicht kommt er oder sie ja zu einer völlig entgegengesetzten Erkenntnis als wie ich Nichtabiturient. Möglicherweise habe ich das  ja aufgrund meiner Herkunft aus den bildungsfernen Schichten auch nur alles irgendwie falsch verstanden. Oder es wurde einfach nur schlecht kommuniziert...

Hier noch zwei Links zu weiteren Kommentierungen zum gleichen Thema in anderen Blogs:
http://www.henning-uhle.eu/wirtschaftsozial/die-politisch-zu-verantwortende-steigerung-der-todesrate
http://duckhome.de/tb/archives/10277-Sie-wollen-eine-neue-Agenda-um-die-Armen-noch-aermer-zu-machen.html


Donnerstag, 30. August 2012

Revolution jetzt? Leider zu spät...

In den Leser-Kommentarbereichen vieler Blogs und den Onlineausgaben diverser Zeitungen kann man häufig lesen, dass das Volk endlich aufwachen und sich gegen die momentanen neoliberalen Machtverhältnisse zur Wehr setzen müsse. Dabei werden nicht selten auch Begriffe wie "Volksaufstand" und "Revolution" verwendet.
Bis vor einiger Zeit stand auch ich solch revolutionären Gedanken im traditionellen Sinne noch durchaus aufgeschlossen gegenüber. Inzwischen jedoch fürchte ich, dass so eine Massenerhebung auf den Straßen nur eines gehen kann, nämlich schief.

Es haben sich in den vergangenen Jahren nun mal zu starke persönliche und wirtschaftliche Verflechtungen zwischen unseren "Eliten" und ihren dienstbaren Geistern in der großen Politik entwickelt und verfestigt. Da steht für unsere ReGIERigen mittlerweile viel zu viel auf dem Spiel, als das sie sich widerstandslos dem Druck der Strasse beugen würden. Die von Elitenforscher Michael Hartmann festgestellte zunehmende "Radikalisierung der Eliten" sowie die dort "oben" überwiegend vorherrschende Sichtweise des Neoliberalismus als alternativlose Ideologie als auch neue Religion sowie der (Finanz)Märkte als unantastbare neue Gottheit dürften ebenfalls dazu beitragen, dass die Hemmschwelle für eine gewaltsame Unterdrückung einer solchen Volkserhebung an den entscheidenden Stellen wohl recht niedrig liegen würde. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass sich unsere "Eliten" von Millionen von Menschen in den größeren Städten, die für in deren Augen so unnützen Firlefanz wie die Rückkehr zu mehr sozialer Gerechtigkeit auf die Straßen gehen, sonderlich beeindrucken lassen würden. Da könnte man z.B. schnell ein paar Provokateure unters friedlich demonstrierende Volk mischen, die mal eben mit einer Schreckschusspistole in die Luft ballern und schon wäre eine "katastrophische Ausnahmesituation" gegeben, die den bewaffneten Einsatz der Bundeswehr rechtfertigen würde. Ein Anlass, um das Aufbegehren der Bevölkerung gegen die herrschenden Verhältnisse sowie der davon allein profitierenden  Klasse gewaltsam niederzuschlagen bzw. niederschlagen zu lassen, lässt sich nun mal ohne große Umstände inszenieren. Wer über das meiste Geld verfügt hat nun mal die größte Macht  bzw. die besten Möglichkeiten der Einflussnahme auf die verantwortlichen Stellen und wird auch immer Mittel und Wege finden, diese gewonnene Macht gegenüber dem aufmuckenden "Pöbel" abzusichern. Über eventuelle verfassungsrechtliche Mängel hinsichtlich eines gegen die eigene Bevölkerung gerichteten militärischen Einsatzes wird ggf. später in einer aktuellen Stunde im Bundestag kurz diskutiert, die Verhältnismäßigkeit der gewählten Mittel aufgrund der besonderen "katastrophischen Ausnahmesituation" von einer Dreiviertelmehrheit als gegeben erachtet und damit als verfassumgskonform abgehakt. Das war´s dann auch schon damit.

Nun könnte man darauf vertrauen, dass unsere Soldaten im Falle eines Falles schon nicht auf die eigene Bevölkerung schießen würden. Bei einer Wehrpflichtigenarmee würde ich dieses Vertrauen sogar teilen, aber bei einer Berufsarmee? Vielleicht würde man die Soldaten vor ihrem Einsatz mit der Auslobung von Sonderurlaub und der Zahlung von Sonderzulagen nach einer erfolgreichen Bekämpfung der "Aufständischen" so richtig "heiß" machen. Und auch verbal könnten sie entsprechend "scharf" gemacht werden. Ich erinnere mich z.B. noch recht gut an unseren evangelischen Militärseelsorger bei der Bundeswehr, der uns in seinen "Religionsstunden" immer und immer wieder das Bild von den schrecklich bösen und gottlosen Kommunisten im Osten einzuhämmern versuchte. Wenn die erstmal in die Bundesrepublik einfallen würden, dann würden sie mordend, plündernd, brandschatzend und vergewaltigend unser gesamtes ach so schönes und freies Land verheeren. Auf kritische Nachfragen wie "Und wie sieht das bei uns dann mit dem Gebot `Du sollst nicht töten´ aus?" oder "Ich soll dann auf meinen Cousin aus der DDR schießen?" kam dann stets: "Ihr kämpft schließlich für eine gute Sache! Ihr kämpft für das Christentum, für Eure und die Freiheit Eurer Familien sowie für deren Schutz! Gott ist dann auf Eurer Seite und wird Euch das Töten aus diesen Gründen vergeben!". Mit ähnlichen Verbalattacken könnten wohl auch unsere heutigen Soldaten entsprechend "motiviert" und im Namen der Freiheit auf die "bitterbösen Feinde im eigenen Volk" losgelassen werden. Am Ende stünden auf beiden Seiten wohl zahlreiche Todesopfer, lebenslang Verstümmelte und Traumatisierte. Der Satz des französischen Moralisten Joseph Joubert dürfte also auch heute noch seine Berechtigung finden: "Revolutionen sind Zeiten, in denen der Arme seiner Rechtschaffenheit, der Reiche seines Reichtums und der Unschuldige seines Lebens nicht sicher ist.".

Gesetzt den Fall, es gelänge tatsächlich jemandem, die Menschen aus ihrer Trägheit, ihrem Desinteresse, ihrer Bequemlichkeit und ihrem (angeborenen oder anerzogenen?) Untertanengeist zu wecken (wer das sein könnte und wodurch er dies erreicht haben würde sei hier einfach mal außen vor gelassen), größere Menschenmassen auf die Straßen und Plätzen unserer Städte zu bewegen, die dort geschlossen für die Berücksichtigung und Durchsetzung ihrer berechtigten Forderungen und Interessen eintreten würden. Und gesetzt den Fall, das Ganze würde zu einem für die sich Erhebenden und Empörenden erfolgreichen Ende gebracht werden - ob nun teuer durch Menschenleben, Blut und Leid erkämpft oder aber wider Erwarten auf friedlichem Wege soll hier ebenfalls dahingestellt bleiben - , so würde sich die Frage stellen: Und was nun? Würde man ohne Probleme eine Regierung installieren können, die tatsächlich das ausschließliche Wohlergehen ausnahmslos aller Bevölkerungsgruppen im  Auge hat? Oder würden sich "am Tag danach" neue Gruppierungen aus z.B. "gemäßigten" und "radikalen" Revoluzzern bilden, von denen jede für sich die alleinige Deutungshoheit über den weiteren Weg des Landes und seiner Menschen beansprucht und die sich in der Folge gegenseitig "an die Gurgel gehen" würden? Vielleicht sind ja auch "Rechte" und "Linke" während der Massendemonstrationen einträchtig nebeneinander gestanden, haben gemeinsam "Wir sind das Volk" gerufen und beginnen jetzt, wo alles vorbei ist, sich gegenseitig ggf. sogar bis aufs Blut zu bekämpfen. Worauf ich übrigens auch keine große Lust habe sind Personen, die vor dem "Volksaufstand" lautstark die Trommel zum Streite gerührt haben, während der "Straßenkämpfe" aber vorsichtshalber erst mal lieber die weitere Entwicklung abwartend in sicherer Deckung verblieben sind und danach, wenn "das Volk" gesiegt hat, wieder aus ihren Löchern vorgekrochen kommen, um sich nun der Allgemeinheit als die einzig wahren Revolutionsführer und zukünftigen Heilsbringer zu präsentieren. Oder gar diejenigen, die vorher keinen einzigen öffentlich vernehmbaren Mucks von sich gegeben haben und sich hinterher als "führende Köpfe der Revolution" darzustellen und dieses dem verzückten Volk erfolgreich unterzujubeln verstehen im Sinne von "So, hier sind wir und jetzt zeigen wir Euch mal die allein selig machende Wahrheit und wie und wo es ab jetzt langgeht!". Nein danke, auf so eine "Gauckerei" habe ich nun wirklich keinen Bock. Außerdem spukt mir beim lesen der Forderungen nach einer "richtigen" Revolution immer ein Ausspruch des Schriftstellers Johannes Scherr im Hinterkopf herum: "Die Rebellen von heute sind die Despoten von morgen.".

Wie auch immer, vor 10 Jahren vielleicht wäre so eine "Straßenrevolution" eventuell noch unblutig und sogar erfolgreich verlaufen. Heute hingegen sehe ich diesbezüglich aus den weiter oben angeführten Gründen jedoch leider tiefschwarz. Wir hätten außerdem in den vergangenen Jahren durchaus auch noch genügend Möglichkeiten für eine "Revolution an den Wahlurnen" gehabt. Dummerweise haben wir diese Chancen aufgrund des altbekannten Wahlverhaltens der breiten Masse nicht genutzt: Stammwähler immer der ein und derselben Partei aus einer alter Familientradition heraus, Wahl der persönlich als vermeintlich geringeres Übel erscheinenden Partei und alles, was nicht dem Spektrum der sog. "etablierten" Parteien zuzurechnen ist, ist sowieso alles nur Pfui, Bäh und Igitt und von daher unwählbar. An den Wahlurnen hätten wir deutliche Zeichen nach oben setzen können im Sinne von "Es reicht! Wir machen Euer Spiel nicht mehr länger mit!". Leider stand uns dabei aber nun mal unser uns so lieb, traut und bequem gewordenes Wahlverhalten im Wege. Nächstes Jahr haben wir noch einmal die Gelegenheit, von der Wahlurne aus so etwas wie eine "Revolution" in Gang zu setzen. Vielleicht ist dies sogar unsere letzte Gelegenheit dazu. Allerdings bedarf es hierfür einer vorherigen Revolution an, mit und in uns selbst, um diese möglicherweise letzte friedliche Chance entsprechend zu nutzen. Aber da unser hartnäckigster und schwerster Gegner stets das eigene Ich nebst innerem Schweinehund ist habe ich wenig Hoffnung auf eine solche "Wählerrevolution"...





Donnerstag, 16. August 2012

Gesucht: Menschen, die bis 80 arbeiten wollen!

Wolfgang Clement, unser "Mr. Leih- und Zeitarbeit", hat sich mal wieder zu Wort gemeldet und zwar bei "welt online":  http://www.welt.de/politik/deutschland/article108632743/Gabriels-Ruf-nach-Steuererhoehungen-ist-falsch.html

Neben u.a. der üblichen Selbstbeweihräucherung bezogen auf die sog. Arbeitsmarktreformen sowie deren  - in seinen Augen - großartige Erfolge, der erneuten Prophezeiung von Vollbeschäftigung, einem Lob für den Kanzlerinnenkurs in der Eurokrise und einem weiteren Lob für Philip Rösler als "marktorientierten Wirtschaftsminister", der Ablehnung eines gesetzlichen Mindestlohnes sowie Erneuerung der Propaganda vom demografischen Wandel stellt der ehemalige "Superminister" dort folgende Behauptung auf:
Ein Drittel der Menschen zwischen 65 und 80 Jahren wollen länger arbeiten! Nun frage ich mich: Woher nimmt Wolfgang Clement diese Weisheit? Hat er sämtliche Menschen in dieser Altersgruppe hierzulande persönlich befragt? Oder nur einen "repräsentativen Querschnitt" daraus? Und falls ja, aus welchen Berufsgruppen kommen diese Befragten?

Mir persönlich ist jedenfalls noch kein einziger älterer Arbeitnehmer so ab Mitte 50 aufwärts begegnet, der freiwillig länger als unbedingt nötig weiter zur Arbeit gehen wollte. Ganz im Gegenteil: Ausnahmslos jeder dieser Menschen aus meinem Umfeld, ob nun Handwerker, Büromensch oder anderweitig beschäftigt, hat ab einem gewissen Alter äußerst gewissenhaft die paar Jahre, Monate, Wochen und Tage gezählt, bis er endlich "in Rente" gehen konnte. "Mensch, was bin ich erst froh, wenn ich endlich da raus bin" konnte ich stets aus dieser Richtung vernehmen. Ein "Ich will aber noch nicht" habe ich hingegen nicht ein einziges Mal gehört. Und wenn der letzte Arbeitstag unmittelbar vor der Türe stand hat - bislang jedenfalls - auch nicht ein einziger gesagt "Schade eigentlich, ich hätte ja soooo gern noch ein paar Jahre länger gemacht". Stattdessen kam da immer nur ein erleichtert dahin gesäuseltes "GottseiDank!".

Falls es denn irgendwo da draußen ältere ArbeitnehmerInnen geben sollte, die zufällig diese Zeilen hier lesen und bereit sind, auf freiwilliger Basis bis zum 80.Lebensjahr durchzuarbeiten, so mögen diese sich bitte im Kommentarbereich etwas weiter unten melden. Es könnte schließlich durchaus sein, dass es in meinem Umfeld nur "faule Säcke" gibt, die zudem auch noch die - zumindest nach Clement´scher Auffassung - falsche Lebenseinstellung haben.

Aber vielleicht ist es mit der Noch-Freiwilligkeit schon in absehbarer Zeit vorbei, denn der "Wirtschaftsweise" Wolfgang Franz mahnte bereits Anfang diesen Jahres die Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters auf 69 Jahre eindringlich an. Und auch das wäre mal wieder, wie gewohnt, gemäß der arbeitgeberseitigen Interessenverbände sowieso nur ein viel zu kleiner Schritt in die richtige Richtung. Nun denn, liebe ArbeitnehmerInnen der gehobeneren Altersklasse, dann mal alle Herztropfen frei und kräftig in die Hände gespuckt!


Samstag, 14. Juli 2012

Nochmal was von S.T.S.

Sozusagen als "Wort zum Sonntag" hier ein weiterer Liedtext von S.T.S. Wenn man bedenkt, dass der Song bereits 1994 erschienen ist, könnte man ihn fast schon als "prophetisch" bezeichnen:

A and´rer Wind


Es is uns ziemlich gut 'gangen, wenn i heute z’rückschau

Es war’n noch Fehler erlaubt, es war all’s net so genau
Irgendwie war immer Aufschwung, die Probleme abschätzbar
Und die Zukunft war klar

Man hat die Dinge besprochen, auch dem Gegner zug’hört
Die Toleranz war im Wachsen, man hat niemand aussig’sperrt
Mit Gewalt löst man nix, a echter Krieg war nur im Fernseh’n
Und weit weg vorstellbar

Grenzen brechen z’samm, alle jubilier’n
Wenn Völker sich befrei’n, muss man applaudier’n
Plötzlich kommt man drauf, es wackelt die ganze Welt
Unmut schleicht sich ein und es kost’ unser Geld

Und man wittert die G’fahr, dass einem schlechter geh’n könnt’
Und so mancher Kussmund zeigt jetzt plötzlich die Zähne
Jetzt muss man irgendwie schau’n, den Letzten beißen die Hund’
Dass man dabei is, ganz vorn

Die ersten Stimmen verdammen den Sozialfirlefanz
Mir hab’n jetzt andere Sorgen, jetzt is Schluss mit die Tanz
Und so mancher heiße Tip mit nationalem Unterton
Stoßt jetzt auf offene Ohr’n

Masken fall’n jetzt schnell, Fassaden bröckeln ab
Ballast muss über Bord, und die Zeit wird knapp

Es weht a and’rer Wind, es weht a and’rer Wind
Man rückt jetzt auseinand’ und das geht viel schneller
Als bis man z’sammenfind’
Es weht a and’rer Wind, es weht a andr’rer Wind
Das eig’ne Hemd fest im Griff traut man jedem alles zu
Und das geht unheimlich g’schwind

Man will für schwierige Fragen einfache Lösungen hör’n
Und so manch’ starker Mann sieht ihn schon aufgeh’n, sein Stern
Und man fackelt net so lang, man hat die Schuldig’n für wurscht was
Wieder gleich bei der Hand

Die Angst is a Sau, der Ton is schärfer word’n
Die dünne Schicht Haltung hat man schnell verlor’n

Es weht a and’rer Wind, ...

Mittwoch, 7. März 2012

Alterswürde - es war einmal...

So langsam komme auch ich in die Jahre, wo es am einen oder anderen Körperbereich immer wieder mal zwickt und zwackt. Das ist ein untrügliches Zeichen, neben zunehmender Faltenbildung auf der Stirn, für: Ich werde so langsam tatsächlich alt! Aber das gehört nun mal zum Leben dazu und lässt sich halt nicht ändern geschweige denn aufhalten. Die Frage dabei ist nur: Wie wird man alt und wie wird später, wenn man dann tatsächlich richtig alt ist, mit einem umgegangen.

In früheren Zeiten waren alte Menschen durchaus gern gesehen. Die jüngeren Generationen hatten Achtung vor ihnen und erwiesen ihnen stets den nötigen Respekt. Der Titel einer Schlagerschnulze von Camillo Felgen aus dem Jahr 1961 "Ich hab´ Ehrfurcht vor schneeweißen Haaren" drückt diese auch seinerzeit noch weit verbreitete allgemeine gesellschaftliche Einstellung gegenüber älteren Menschen recht gut aus, egal wie man zu solchen Liedchen ansonsten stehen mag: http://www.youtube.com/watch?v=1gBRLMlKxvI
Alt werden und sein durften die alten Menschen im Kreis der Familie und aufgrund ihrer Lebenserfahrung holte man bei ihnen den einen oder anderen Ratschlag ein. Man bediente sich, falls nötig, eben gern auch mal ihrer "Altersweisheit". Und wenn ein alter Mensch irgendwann nicht mehr so recht "konnte", dann wurde er bis zu seinem Ende zuhause von seinen Familienangehörigen betreut und gepflegt. Die Lebensleistung älterer Menschen und der Fakt, dass sie überhaupt alt waren - ihre Alterswürde - wurde gerade auch durch den liebe- und respektvollen Umgang mit ihnen gewürdigt.

Heute hat sich nicht zuletzt auch der Umgang mit älteren Mitmenschen dem allgemeinen "Zeitgeist" angepasst: Alte Menschen sind nur sehr wenig bis gar nicht mehr produktiv und für viele Familien stellen sie nur noch unnötigen Ballast dar - zumindest wenn bei ihnen nichts mehr zu holen ist oder wenn sie eine umfangreichere Betreuung/Pflege benötigen. Sie werden gemäß dem mittlerweile gebräuchlichen Neusprech nunmehr in die Kategorie "Minder- und Nichtleister" einsortiert und sind demzufolge wirtschaftlich und gesamtgesellschaftlich gesehen eher unbrauchbar und somit überflüssig. Dies gilt jedoch auch für ältere Menschen, die noch nicht das Rentenalter erreicht haben. Auch sie werden großteils nur noch nach ihrer ihnen unterstellten körperlichen "Produktivitätsleistungsfähigkeit" vorverurteilt: Je älter desto langsamer halt. Nicht minder wichtige Faktoren wie ihre persönliche jahrzehntelange Berufs- als auch Lebenserfahrung bleiben bei dieser Denkweise komplett außen vor. Dabei würde diese Erfahrung die evtl. geschwundene Arbeitsgeschwindigkeit mit Sicherheit ausgleichen können. Ein älterer Fußballspieler gleicht seine langsamer gewordene Laufgeschwindigkeit ja z.B. auch durch geschicktes Stellungsspiel aus oder ahnt bestimmte Spielsituationen aufgrund seiner in unzähligen Spielen gesammelten Erfahrungen voraus und kann deshalb dann entsprechend darauf rea- als auch agieren.

Dank dieser "modernen" Denkweise wurden und werden also zahlreiche, von unserer Wirtschaft doch aber angeblich so dringend benötigte und händeringend gesuchte Fachkräfte, als nicht mehr brauchbar aus dem Arbeitsleben ausgeschlossen. Und die bereits erwähnten Vorurteile bezüglich ihres Alters machen es ihnen fast unmöglich, überhaupt einen neuen und wenn, dann auch auskömmlich bezahlten Arbeitsplatz ohne eine Aufstockung ihres Lohnes/Gehaltes beantragen zu müssen, zu bekommen. Nach erreichen des Rentenalters ist ihnen dann die Altersarmut gewiss und sie dürfen weiterhin als Bittsteller auf dem "Amt" vorsprechen. Unter diesen Gesichtspunkten sind die Einführung der Rente mit 67 sowie noch weitergehende Forderungen nach Erhöhung der Lebensarbeitszeit wohl nur als ganz übler Scherz zu verstehen.

Schauen wir nun auf die "richtig" alten Menschen. Auch hier ist es mit der Würde und Würdigung des Alters nicht mehr allzu weit her. Unsere ach so moderne Gesellschaft geht mit ihnen jedenfalls nicht gerade respektvoll um. Eine alte Dame an der Kasse eines Discounters z.B., die ihre Waren etwas langsamer vom Band in den Einkaufswagen legt oder in ihre Tasche packt, die beim bezahlen das Kleingeld im Zeitlupentempo aus ihrer Geldbörse kramt - schon wird dahinter verständnislos mit dem Kopf geschüttelt oder auch mal "Die Alte hält ja den ganzen Betrieb auf" gemurmelt. Oder ein älterer Herr, der an einem Rollator vor uns geht und wir nicht gleich an ihm vorbeipreschen können, weil es ausgerechnet jetzt aus irgendwelchen Gründen nicht ausreichend Platz dafür hat - schon sind wir entsetzlich genervt und murmeln was von "Der dämliche Alte soll mit seinem Arsch gefälligst zuhause bleiben, wenn er nicht mehr richtig laufen kann". Verständnis, Achtung, Respekt, gar Würdigung des Alters? Glatte Fehlanzeige!

Auch in vielen Familien hat sich mittlerweile so einiges verändert, was die Einstellung älteren Familienangehörigen gegenüber angeht. Solange Vater oder Mutter, Opa oder Oma noch einigermaßen "intakt" sind, solange ist es ja noch ganz ok. Aber wenn sie irgendwann an dem Punkt angelangt sind, wo Körper und/oder Geist nicht mehr so recht mitmachen wollen, werden sie irgendwie lästig - zumal wenn sie im gleichen Haus oder quasi gleich um die Ecke wohnen sollten. Sie werden zunehmend zu einer Belastung, die man sich nach Möglichkeit dann doch nicht aufhalsen möchte und schon gar nicht auf längere Sicht hin gesehen. Man hat halt einfach keine Zeit und auch nicht den nötigen Nerv dazu. Man ist nun mal mit sich selbst mehr als genug beschäftigt. Gut, früher lebten 2 oder gar 3 Generationen unter einem Dach. Da konnte man die erforderliche Betreuung und Pflege eines älteren und nicht mehr "funktionstüchtigen" Angehörigen recht gut auf mehrere Schultern verteilen, zumal seinerzeit gerade die Frauen noch überwiegend ganztags daheim waren: Mutter, Tochter, Schwiegertochter - da konnte man sich hierbei noch abwechseln und hatte dadurch nebenher auch noch Zeit für andere Sachen. Aber heute muss nun mal jedes erwerbsfähige Familienmitglied ranklotzen, da das alleinige Einkommen der Männer zur Sicherstellung des Lebensunterhalts einer Familie aufgrund der diesbezüglichen Entwicklungen der letzten ca. 25 Jahre im Gegensatz zu damals einfach nicht mehr ausreicht. Ergo kann auch niemand aus dem Familenkreis diese Aufgabe übernehmen. Folglich bleibt hier nur noch die Ausfahrt "Alten- und Pflegeheim" als Lösungsweg.

Naja, und in Familien, wo die alleinigen Einkünfte eines arbeitenden Familienmitglieds ausreichend wären und somit zumindest ein/e Angehörige/r die Betreuung/Pflege von Oma oder Opa übernehmen könnte, möchte man sich diesem Stress dann lieber doch nicht aussetzen. Schließlich hat man(n)/frau ja trotz des ganztags zuhause verweilens sein eigenes, gern auch mit eigenen Interessen und Hobbys angereichertes, Leben. Das will man(n)/frau sich doch durch derartige Dinge nicht versauen lassen, ganz abgesehen von der körperlichen und psychischen Belastung, die so eine Aufgabe mit sich bringen dürfte.
Tja, Oma und Opa sind jetzt nur noch unnötiger Ballast und müssen demzufolge auch in diesem Fall ins Heim. Dort sind sie schließlich  in den allerbesten Händen und gut versorgt ( so hofft man zumindest). Es ist halt für alle Beteiligten einfach am besten so. Man kann sie außerdem dort ja jederzeit besuchen, also brauchen wir auch kein schlechtes Gewissen zu haben. Nicht selten kann es aber vorkommen, dass diese anfangs noch regelmäßig getätigten Besuche im Laufe der Zeit immer unregelmäßiger werden. Irgendwann beschränken sie sich dann nur noch auf den 1. oder 2.Weihnachtstag. Oder aber nicht mehr mal das - aus dem Auge, aus dem Sinn eben. Das Omas oder Opas Rente jetzt komplett für die Heimkosten draufgeht spielt dahingehend bei manchen Leuten zudem noch eine nicht unerhebliche Rolle. Es ist von ihnen weder körperlich/geistig als auch finanziell mehr etwas zu erwarten. Was sollen wir also dann noch mit ihnen?

Über den manchmal (alters)unwürdigen Umgang mit alten Menschen in Krankenhäusern und Seniorenheimen und ihrer einzigen Daseinsberechtigung als "Geldbeschaffungsmaschine" für die "Altersindustrie" werde ich aus eigener Anschauung heraus in einem anderen Beitrag, der sich mit den "Segnungen" der Privatisierung befassen wird, noch näher eingehen.

Im Vergleich zu früher lässt sich abschließend jedenfalls aus meiner Sicht feststellen: Als alternder und als alter Mensch siehst du heutzutage hierzulande oftmals ganz schön alt aus...

Dienstag, 6. März 2012

Freiheit - eine tolle Sache...so man sie sich denn leisten kann

Bei uns in Bundesdeutschland gilt der Begriff "Freiheit" anscheinend sehr viel. Es besteht hierzulande (angeblich) eine freiheitlich-demokratische Grundordnung, der Text unserer derzeit gültigen Nationalhymne enthält gleich in Vers 1 ebenfalls dieses Wort, ein Ex-Bundesvorsitzender einer sich selbst als Partei der Freiheit sehenden - mittlerweile aber eher unbedeutenden - politischen Vereinigung Besser- und Bestverdienender ernannte sich 2007 persönlich zur Freiheitsstatue der Republik und auch sonst klingt uns der Begriff "Freiheit" immer wieder aus berufenen Mündern entgegen. Dieses übrigens sehr gern auch in Kombination mit dem Wort "Eigenverantwortung".

Nun wird am 18.03.2012 auch noch ein Präsident ins Amt eingesetzt (von einer Wahl kann man aufgrund der Umstände ja nicht reden), der ebenfalls nicht müde wird, den Begriff der Freiheit - auch und gerade in Verbindung mit der hochgelobten Eigenverantwortung - über alle und alles andere zu stellen.
Sorry, aber ich kann mir nicht helfen: So wie der Begriff von jenen führenden Freiheitsaposteln ausgelegt wird scheint diese Art von Freiheit  für uns Normalbundesbewohner wohl doch keine so tolle Sache zu sein, als die sie uns immer wieder verkauft werden soll. So wie ich es verstehe hat nach dieser Auslegung also jeder Bürger und jede Bürgerin sich selbst der/die Nächste zu sein, sich den jeweiligen Marktbedürfnissen und -erfordernissen anzupassen und unterzuordnen (Freiheit durch Unterwerfung???) sowie bei Nichtbedarf seiner/ihrer Arbeitskraft selbst zuzusehen, wie er/sie eigenverantwortlich ein Dach über dem Kopf behält und sich etwas essbares beschafft.

Meinem bescheidenen Verständnis nach nutzt diese Art von Freiheit hauptsächlich der vergleichsweise kleineren Bevölkerungsgruppe aus den Reihen unsererer wohlhabenderen MitbürgerInnen. Ihnen wird bereits jetzt die Freiheit gegeben, dank entsprechend durchgeführter "Reformen" und sonstiger Maßnahmen in Bereichen wie Arbeitsmarkt und Finanzunwesen auf Rücken und Kosten der Restbevölkerung ihr Vermögen zu erhalten und zu vermehren. Ihre Freiheit beruht somit nicht zuletzt auch auf der Unfreiheit anderer, denn schließlich werden spätestens beim Bezug von ALG II verfassungsmäßig garantierte Grundrechte wie freie Berufswahl, freie Wahl des Wohn- und Aufenthaltsortes, Vertragsfreiheit, Unverletzlichkeit der Wohnung und das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit für die davon Betroffenen in erheblichem Maße eingeschränkt. So ganz nebenbei kann in diesen Kreisen der Besser- und Bestverdienenden dank des sonst eigentlich eher verteufelten Staats geschaffenen Niedriglohnsektors oder der Einrichtung von "Rettungsschirmen" die ansonsten von dieser Seite her vielgepriesene Eigenverantwortung bequem von sich auf die restliche Gesellschaft abgeschoben werden.

Ich kann es drehen und wenden wie ich will: Für mich sieht es so aus, dass gemäß den Freiheitsvorstellungen unserer derzeitigen Führungspersönlichkeiten ein freies, eigenverantwortliches und selbstbestimmtes Leben nur denjenigen möglich ist, die über die hierfür erforderlichen finanziellen Voraussetzungen verfügen. Wer hingegen über nur vergleichsweise wenige bis gar keine finanziellen Mittel verfügt kann demzufolge nun mal nicht wirklich frei sein. Man versuche einfach mal, in unserer heutigen Zeit mit keinem einzigen Cent im Portemonnaie oder auf dem Konto ein Leben nach eigener Vorstellung zu führen und das zu tun und zu lassen, was man will. Da wird´s aber echt schwierig.
Falls jemand dieses Freiheitsspiel nicht mitspielen will bleibt ihm halt lediglich die Freiheit, irgendwann unter einer Brücke oder auf einer Parkbank zu nächtigen, Kohldampf zu schieben oder gar zu verhungern. Kurzum: Freiheit nach Maßgabe unserer Führungs- und Leistungseliten ist eine tolle Sache - man muss sie sich nur leisten können.
Dabei fände ich es übrigens durchaus interessant, wie unser neuer Bundespräsident reagieren würde, wenn er irgendwo einmal auf einen Verhungernden treffen sollte. Sagt er ihm dann mit präsidial-pastoral-gutväterlichem  Tonfall: "Mein Sohn, was schaust Du so betrübt und gequält drein? Sei glücklich und zufrieden, denn Du verhungerst schließlich eigenverantwortlich in absoluter Freiheit. Etwas Besseres und Schöneres gibt es nicht auf Erden!"?

Ich weiß nicht, ich weiß nicht, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass unter den derzeitigen und ggf. zukünftigen Voraussetzungen für uns "NormalbürgerInnen" etwas weniger Freiheit, so wie sie von "oben" gemeint ist, durchaus mehr sein könnte...

Freitag, 3. Februar 2012

Antwort unserer Verfassung auf den offenen Brief vom 01.02.2012

Sehr geehrter um mich besorgter einfacher Bürger,

für Ihr Schreiben vom 01.02.2012 danke ich Ihnen recht herzlich. Ihre Sorge um den Umgang mit mir sowie den in mir enthaltenen Artikeln durch elitäre Kreise ehrt mich durchaus. Natürlich habe ich registriert, dass mit mir von dieser Seite her, aber auch durch die eigentlich zu meinem Schutz eingerichteten Institutionen, zunehmend Missbrauch getrieben wird.
Ich selbst kann mich dagegen nur schwerlich zur Wehr setzen, denn ich bin ja im Grunde genommen nur ein bedrucktes Stück Papier. Und Papier ist nun mal von seinem Naturell her sehr geduldig.

Von daher wäre es zwingend erforderlich, dass Sie und Ihre MitbürgerInnen verstärkt ein wachsames Auge auf mich gerichtet halten würden. Eigentlich müsste das eine Selbstverständlichkeit für Sie sein, denn es sollte zwischen uns normalerweise ein Verhältnis des gegenseitigen geben und nehmen vorherrschen: Ich gebe Ihnen meinen Schutz und Sie schützen im Gegenzug mich durch Ihre Wachsamkeit hinsichtlich des Umgangs mit mir durch besagte elitäre Kreise.

Doch leider müssten Sie und Ihre Mitbürger und Mitbürgerinnen dazu erst einmal Ihr Desinteresse, Ihre Trägheit und nur allzu leichte Manipulierbarkeit, nicht zuletzt auch durch die Medien, ablegen. Natürlich mag es für Sie alle viel bequemer sein, andere für sich denken zu lassen. Doch ohne ein gesteigertes Interesse Ihrerseits an den Vorgängen, die sich auf den politischen und wirtschaftlichen Führungsebenen unseres Landes abspielen, können Sie nun mal Ihrer Verpflichtung zur Wachsamkeit bezüglich Angriffen von oben gegen meine Person und meine Inhalte nicht ausreichend nachkommen:

- Sie hinterfragen vieles, was dort oben geschieht und entschieden wird, einfach viel zu wenig.
- Sie sind zu leichtgläubig und lassen das eigenständige nach- und mitdenken zu sehr vermissen.
- Sie informieren sich nicht genügend über die wahren Zusammenhänge und Hintergründe der dort oben      getätigten Entscheidungen.
- Sie lassen sich viel zu schnell auf irgendwelche "Nebenkriegsschauplätze" ablenken.
- Sie sehen, lesen, hören und glauben viel zu sehr nur das, was Sie sehen, lesen, hören und glauben wollen.

Vergessen Sie bitte niemals: Jeder Angriff elitärer Kreise gegen mich und meine Inhalte stellt gleichzeitig auch einen Angriff gegen Sie bzw. Ihre Freiheits- und Bürgerrechte dar! Überwinden Sie daher möglichst bald Ihre Trägheit, Ihr Desinteresse und Ihre Manipulierbarkeit, denn nur so können Sie mir den in diesen Zeiten so dringend von mir benötigten Schutz gewährleisten. Letztlich sind es doch Sie, die Bürgerinnen und Bürger der Bundesrepublik Deutschland, die die wahren Verfassungsschützer sein sollen!

Meine Schöpfer haben Sie durch den von Ihnen in Ihrem Brief vom 01.02. d.J. bereits angesprochenen Artikel 20 ausdrücklich dazu legitimiert:


Artikel 20 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland


(1) Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.

(2) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.
(3) Die Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung, die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung sind an Gesetz und Recht gebunden.
(4) Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.
Ich bitte Sie, die Bürger und Bürgerinnen dieses Landes, mit diesem Artikel 20 ausdrücklich um meinen und meiner Inhalte Schutz! Seien Sie also bitte endlich wachsam und tragen Sie dafür Sorge, dass ich nicht weiterhin verbogen, gebeugt und missbraucht werden kann!
Ich danke Ihnen im Voraus für Ihre dahingehenden Bemühungen recht herzlich und verbleibe mit den allerbesten Wünschen für Sie und unser Land
Ihre Verfassung der Bundesrepublik Deutschland

Mittwoch, 1. Februar 2012

Offener Brief an unsere Verfassung

                                                Irgendwo im Nirgendwo der Bundesrepublik
                                                Deutschland, 01.02.2012


Sehr geehrte Verfassung der Bundesrepublik Deutschland,

ich hoffe, Ihre persönliche Verfassung ist Ihrem eigenen Empfinden nach zumindest noch einigermaßen zufriedenstellend. Ich hege nämlich aufgrund aktueller Ereignisse daran inzwischen erhebliche Zweifel.

Aber werfen wir zum Beginn dieses Briefes zunächst einen kurzen Blick zurück: Sie wurden seinerzeit von Ihren Schöpfern mit den allerbesten Absichten erarbeitet und Ihr Inhalt wurde diesen Absichten entsprechend formuliert (bzw. verfasst - Sie gestatten mir doch diese kleine Wortspielerei?). Sie und somit die von Ihnen beinhalteten Artikel sollen in der Ihnen zugedachten Funktion als rechtliche und politische Grundordnung aufgrund der negativen Erfahrungen während der bei Ihrer Einführung nur relativ kurz zurückliegenden "dunkleren" Jahre/Jahrzehnte deutscher Geschichte dafür sorgen, dass dieser neue deutsche Staat namens Bundesrepublik Deutschland stets auf die Bedürfnisse aller darin lebenden Menschen ausgerichtet sein sollte. Durch die in Ihnen festgelegten Grundwerte, die der Freiheitssicherung und der Machtbegrenzung dienen sollen, wurde Ihnen sozusagen eine Schutzfunktion für alle in der Bundesrepublik Deutschland ansässigen Menschen zugewiesen.

Heute jedoch muss man leider feststellen, dass Sie einigen Herrschaften in führenden Politik- und Wirtschaftskreisen inzwischen wohl eher zu einem Dorn im Auge geworden sind. Bei manchen dort zu treffenden Entscheidungen werden Sie anscheinend einfach nur noch als störend empfunden. In den vergangenen Jahren wurden schließlich verstärkt diverse vom Bundestag verabschiedete und nachfolgend erlassene Gesetze von den rotrobigen Richtern des Ihren Namen tragenden Gerichts wegen verfassungsrechtlicher Bedenken, Mängel und gelegentlich sogar Verfassungswidrigkeit mal mehr, mal weniger schnell wieder "einkassiert". Obwohl bei manchen Urteilen wiederum könnten sich auch hin und wieder mal gewisse Zweifel an der Überparteilichkeit und parteilichen Unabhängigkeit der Verfassungsrichterschaft einstellen. Schließlich entscheidet für die Auswahl zur Besetzung eines solchen Richteramtes bei nicht wenigen Kandidaten nicht zuletzt auch das passende Parteibuch  - je nachdem halt, welche Partei gerade die Regierungsmehrheit stellt. Ob solche Richter wirklich immer und ausschließlich nach bestem Wissen und Gewissen die strittigen Artikel, die verhandelt werden müssen, auslegen erscheint mir da dann doch eher fraglich. Sind unter solchen Umständen in Amt und Würden gelangte Juristen wirklich Ihre unabhängigen und unvoreingenommenen Hüter, die sie eigentlich darstellen sollen?

Ihr Name wird auch gern immer wieder mal missbraucht. Unter dem Deckmantel, Sie angeblich schützen zu müssen, werden derzeit sogar demokratisch gewählte Bundestagsabgeordnete von Angehörigen der zu Ihrem Schutz  eingerichteten Behörde überwacht, ja sogar durch die - die eigentlichen Kompetenzen dieser Einrichtung überschreitende - Anwendung geheimdienstlicher Methoden bespitzelt. Darunter befinden sich übrigens sogar Abgeordnete, die Ihre Schützer kontrollieren sollen, damit diese sich zu Ihrem Schutz nicht verfassungswidriger Methoden bedienen. Wenn das nicht mindestens paradox ist weiß ich es auch nicht. Das in Ihnen keine bestimmte Wirtschaftsordnung festgeschrieben wurde wissen Sie ja selbst am besten. Wieso dann Personen oder auch Parteien, die einen Wirtschaftssystemwechsel anstreben, Ihre erklärten Feinde sein sollen will sich mir deswegen irgendwie nicht so recht erschließen.
Naja, und das Ihre Schützer in der "extremen" politischen Gegenrichtung der aktuell überwachten vermeintlichen "Verfassungsfeinde" seit geraumer Zeit bereits über eine nicht unerhebliche Sehschwäche verfügen dürfte für Sie, liebe Verfassung, auch nicht unbedingt etwas Neues darstellen.

Interessant hierbei ist zudem, aus welcher Ecke Ihre Freunde und Beschützer so kommen. In diesem sich eigenmächtig und ungefragt zu Ihrem Freundeskreis zählenden Personenkreis gibt es z.B. einen Chef des Bundeskanzleramts, der Sie unter Ihrem Zweitnamen Grundgesetz als "Scheiß" betitelt hat. Und seine Chefin schwadroniert munter über eine "marktkonforme Demokratie". Das heißt doch im Grunde genommen nichts anderes, als das Sie sich in Zukunft dem Willen der "Märkte", Sie sich also demnächst den Interessen und Bedürfnissen eines - im Gesamtverhältnis gesehen - eher kleinen Bevölkerungsteils, unterzuordnen haben. Davon, dass eigentlich eher die "Märkte" verfassungskonform sein müssten ist aktuell jedenfalls nirgendwo die Rede. Führen wir uns jetzt noch zu Gemüte, dass sich die gnädige Frau Bundeskanzlerin dafür einsetzt, mithilfe des sog. Fiskalpakts die ebenfalls sog. Schuldenbremse in allen Euromitgliedsstaaten in deren Verfassungen und folglich auch in Ihnen zu verankern. Dies würde nicht nur Ihre teilweise Entmachtung beinhalten, sondern zugleich einen tatsächlichen Systemwechsel zugunsten nur einer einzigen daran interessierten Gruppierung bedeuten. Falls Sie über einen Internetanschluss verfügen sollten lesen Sie sich bitte dazu einfach mal diesen durchaus erhellenden Artikel durch: http://www.nachdenkseiten.de/?p=12050

Nehmen wir nun noch den in Ihnen festgeschriebenen Artikel 20 Absatz 1 ein wenig unter die Lupe: Dort heißt es unmissverständlich: "Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat."! Schauen wir uns dazu mal an, was beispielsweise unserem jetzigen Bundesinnenminister unter dem Vorwand des Erhalts der inneren und auch äußeren Sicherheit so für Gesetze vorschweben bzw. was in einigen Bereichen bereits dahingehend in Angriff genommen wurde (Stichworte Überwachung, Einschränkungen beim Demonstrationsrecht usw.). Damit wird doch nichts anderes als ein schleichender Demokratieabbau betrieben, der so ganz nebenbei auch noch wesentliche Freiheits- und Bürgerrechte gleich mit ein- und beschneidet. Das kann doch nicht in Ihrem ureigenen Sinne sein, verehrte Verfassung, oder? Von den im Zuge der von der Vorvorgängerregierung entwickelten und 2005 umgesetzten Agenda 2010 in nicht unbedeutenden Teilen erfolgten starken Einschränkungen bürgerlicher Grundrechte der von ALG II-Bezug betroffenen Menschen - in Ihnen eigentlich für ausnahmslos alle BürgerInnen demgemäß verankert - wollen wir hier besser gar nicht erst anfangen. Wie Ihre rot berobten Hüter in Karlsruhe die betreffenden Artikel interpretieren wird mir sowieso noch lange schleierhaft bleiben.

Das der in Ihnen als solcher bezeichnete und festgeschriebene Sozialstaat vor allem seit Einführung der als "moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt" (auch unter dem Namen eines mittlerweile wegen Veruntreuung von Firmengeldern in 44 Fällen vorbestraften Ex-VW-Vorstandsmitglieds in unseren allgemeinen Sprachgebrauch eingegangenen) eingeführten diesbezüglichen "Reformen" nach und nach immer weiter ausgehöhlt und abgebaut wurde wird Ihnen sicherlich auch nicht entgangen sein. Aber es sagte ja bereits im Jahr 2004 der damalige BDI-Präsident sinngemäß, dass mit dem Fall der Mauer in 1989 endlich die Abrissbirne am Sozialstaat in Position gebracht werden konnte. Die vorgenannten Beispieläußerungen und -handlungen führender Politik- und Wirtschaftsgrößen unter Berücksichtigung der in Ihnen im Art.20 Abs.1 als demokratischer und sozialer Bundesstaat festgeschriebenen Bundesrepublik Deutschland betrachtet lassen für mich jedenfalls nur diesen Schluss zu: Verfassungswidrig denkende, sprechende und handelnde sowie einen Systemwechsel anstrebende Personen sind allem Augenschein nach in einer ganz anderen Richtung zu suchen als auch zu finden als in der weiter oben angeführten Gruppierung der z.Zt. überwachten und bespitzelten Abgeordneten. Vielleicht könnten Sie Ihre persönlichen Leibwächter/Schützer in Bund und Ländern ja mal darauf aufmerksam machen und die Überwachung dieser wahren Verfassungsfeinde energisch anregen. Denn das die eine oder andere an verantwortlicher sowie entscheidender Stelle sitzende Persönlichkeit wohl doch nicht so ganz felsenfest auf Ihrem Boden - also dem unser aller Verfassung - stehen dürfte wie sie vorgibt, sollte auch Ihnen mittlerweile bewusst geworden sein.

Wissen Sie was, liebe Verfassung? Sie tun mir irgendwie leid. Denn wer solche oder sich als solche ausgebende und aufspielende (Verfassungs-)Freunde und Beschützer hat wie Sie braucht nun wahrlich keine Feinde mehr.

Ich wünsche Ihnen, sehr geehrte Verfassung, zum guten Schluss für Ihre und folglich auch für unsere Zukunft als BürgerInnen der Bundesrepublik Deutschland die nötige Kraft und Standfestigkeit gegenüber all Ihren echten Feinden und falschen Freunden. Bleiben Sie stets gefasst und - in Anlehnung an den Standardspruch eines ehemaligen (allerdings in meinen Augen eher scheinheiligen) Fernsehpfarrers -: Passen Sie gut auf sich auf!

Mit freundlichem Gruß

Ein im Jahr 2012 um Sie, Ihre persönliche Verfassung und Ihre Zukunft als demzufolge auch um uns Bürger und Bürgerinnen samt unserer Zukunft besorgter einfacher Bürger aus dem Prekariat der Bundesrepublik Deutschland

Montag, 30. Januar 2012

Finanzkrise, Eurorettung - was tun?

Die oben gestellte Frage kann ich für meinen Teil recht schnell beantworten: Ich weiß es nicht! Ich habe nämlich von diesem ganzen Finanzklimbim null Ahnung. Da mir alles was, mit Zahlen zu tun hat, von jeher schon ein Gräuel war habe ich mich logischerweise auch nie mit finanzwirtschaftlichen Feinheiten befasst. Und meine finanziellen Anlagen in besseren Tagen beschränkten sich ausschließlich auf das gute alte Sparbuch, einen Bausparvertrag und eine Lebensversicherung. Auch wenn mir seinerzeit vom Kundenberater in den blumigsten Worten noch so (angeblich) tolle Anlageprodukte aufgeschwatzt werden sollten, habe ich mich dazu nicht breit schlagen lassen. Das war mir persönlich alles zu komplex und somit undurchschaubar, folglich habe ich lieber die Finger davon gelassen.

Es scheint jedoch, als ob ich mich mit diesem Nichtwissen hinsichtlich der Frage nach Finanzkrisenbewältigung und Euorettungsmaßnahmen in guter Gesellschaft befinden würde. Selbst Finanzgelehrte, die von der Pike auf in dieser Materie ausgebildet wurden, steigen da schließlich kaum bis gar nicht mehr durch. Wieso sollte dann erst recht ausgerechnet ein Zahlentrottel wie ich da den Durchblick haben? Ich finde das aber ehrlich gesagt gar nicht mal so schlimm.

Letztlich ist es mit der Finanzwirtschaft doch nicht anders als wie in anderen Bereichen ebenfalls: Wenn die Regeln immer weiter gelockert werden, bis es irgendwann so gut wie gar keine mehr gibt, gilt am Ende nur noch das Recht des Stärkeren. Die, die eh schon stark genug waren, werden noch stärker und bestimmen letztlich die Regeln komplett ausschließlich in ihrem Sinne. Sie können folglich ab einem bestimmten Punkt die immer schwächer werdenden anderen vor sich hertreiben, ihnen ihren Willen aufzwingen und sie immer wieder aufs Neue erpressen- siehe derzeit das Beispiel Finanzwirtschaft und Politik.

Um damals schon erkennen zu können, dass der durch diese Deregulierungen erlaubte Handel mit "Schrott- und Giftpapieren", die Ermöglichung von "Luftnummernbuchungen" und von Spekulationen auf für alle Menschen lebensnotwendige Dinge wie z.B. Energieträger und Lebensmittel uns "NormalbürgerInnen" im wahrsten Wortsinne einmal teuer zu stehen kommen wird, musste man nicht unbedingt ein Finanzgenie sein. Und wenn zur Bewältigung der Finanz, Euro-, "Staatschulden"- oder wie auch immer genannten Krise ausgerechnet Personen an den "Rettungsschalthebeln" sitzen, die in nicht unerheblichem Maße für die ganze Chose verantwortlich sind und die als einzigen Lösungsvorschlag lediglich ein höchstens minimal eingeschränktes "Weiter so!" einfällt, muss ich ebenfalls kein Finanzguru sein um zu sehen, dass das nichts werden kann.

Was diese immer wieder angemahnten und beschlossenen Sparmaßnahmen in den "angeschlagenen" Euromitgliedsstaaten angeht sieht es damit auch nicht anders aus. Wenn man so vielen Menschen derartig viel Geld verweigert oder wegnimmt, dass es nicht mehr in den Wirtschaftskreislauf einfließen kann und neben der Ausgaben- nicht auch die Einnahmeseite in die Überlegungen mit einbezogen wird ist selbst einem Finanzidioten wie mir klar, dass dies die Wirtschaft nicht ankurbelt, sondern abwürgt. Also nix mit Wachstumsantrieb, sondern eher mit Wachstumsbremse. So eine zyklische Wirtschafts- und Finanzpolitik ist bekanntlich bereits zu Beginn der 1930-er-Jahre gewaltig in die Hose gegangen. Wieso die Mehrzahl unserer Wirtschafts- und Finanzgelehrten und politischen Entscheidungsträger das nicht einsehen will ist mir zumindest schleierhaft. Jedenfalls muss ich nicht mit finanzwirtschaftlichem Detailwissen ausgestattet zu sein um zu erkennen, dass all das, was an vorgenanntem z.Zt. als "alternativlose Rettungsmaßnahmen" propagiert wird, auf Dauer gesehen relativ erfolglos sein dürfte - außer für eine bestimmte Minderheit.

Irgendwie drängt sich mir da ein Vergleich auf: Wenn ich meine Hand auf eine heiße Herdplatte lege verbrenne ich mir jene welche natürlich kräftig. Normalerweise bin ich danach kuriert und unterlasse ähnliche Experimente zukünftig. Bei unseren derzeitigen "Krisenbewältigern" scheint es hingegen so zu sein, als ob sie ihre Hand immer wieder aufs neue auf dieselbe heiße Herdplatte legen würden in der Hoffnung, dass sie sie sich diesmal nicht daran verbrennen würden. Ist das nun bewusster Trotz, einfach nur Ignoranz/Lernunwilligkeit/-fähigkeit oder schlicht Dummheit? Um diesbezügliche Aufklärung wird gebeten...

Donnerstag, 26. Januar 2012

Arbeit - ein deutscher Fetisch? - Zweiter Teil

Machen wir nun noch einen kurzen Ausflug in das Schatzkästlein deutscher Spruchweisheiten. Wir finden da neben unzähligen Redewendungen zu allen nur möglichen Lebensbereichen natürlich auch so einiges zur Arbeit: "Arbeit adelt" z.B. Oder auch "Arbeit macht das Leben schön". Noch mehr gefällig? Bitteschön: "Arbeit ist des Ruhmes Mutter", "Arbeitsschweiß an den Händen hat mehr Ehre als ein goldener Ring am Finger", "Arbeitsamkeit ist die beste Lotterie" usw. usw. Auch hier wird die Arbeit als auch das arbeiten an sich in den höchsten Stand erhoben.
Ein dänischer Bekannter hat mir gegenüber übrigens mal vor vielen Jahren geäußert: "Wir Dänen arbeiten, um zu leben, ihr Deutschen lebt um zu arbeiten!". Das halt nur als kleine Ergänzung, da dieser Satz recht gut unsere "Außenwirkung" hinsichtlich unserer gesamtgesellschaftlichen deutschen "Arbeitsreligiosität" auf Nichtdeutsche verdeutlicht.

Allerdings gibt es auch Sprüche, die gerade in unserer heutigen Zeit wohl nicht mehr ganz up-to-date sein dürften: "Jeder Arbeiter ist seines Lohnes wert", "Arbeit ist bei Armut gut" oder "Wo Arbeit das Haus bewacht kann Armut nicht hinein". Wenn wir uns hierzu jetzt die aktuellen Zahlen hinsichtlich der Leih- und Zeitarbeitskräfte plus aller sonstigen geringfügig Beschäftigten in Erinnerung rufen stellen wir schnell fest, dass diese drei Spruchweisheiten derzeit keinerlei Gültigkeit mehr besitzen (Stichwort "working poor").

Die Schlusspointe des Uralt-Witzchens mit dem Unterschied zwischen einem englischen, französischen und deutschen Rentner "Der deutsche Rentner nimmt seine Herztropfen und geht zur Arbeit" dagegen dürfte bei der momentanen Entwicklung in Sachen Verlängerung der Lebensarbeitszeit sowie aufgrund der wachsenden Altersarmut infolge der sich stetig verstärkenden Zunahme prekärer Arbeitsverhältnisse bei uns schon recht bald bittere Realität sein.

Nach meinem Dafürhalten scheint diese fast schon religiöse Überhöhung des gesellschaftlichen Stellenwerts der Arbeit eine speziell deutsche Eigenheit zu sein. Otto NormalbundesbürgerIn fühlt sich nun mal gebauchpinselt, wenn im Ausland als besondere "Nationaleigenschaft" für Deutsche u.a. das Wörtchen "Fleiß" gebraucht wird. Es erfüllt nicht wenige von uns mit großem Stolz, sich zu den "fleißigen Deutschen" zählen zu dürfen. Auf die dem gewöhnlichen "Fleißdeutschen" als solche erscheinenden "faulen Südländer" blicken viele demzufolge nur mit Verachtung. Das diese "Südländer" möglicherweise nur besser zu leben verstehen als wir, weil sie die Arbeit eben nicht als höchstes Gut oder als ihren einzigen Lebensinn verstehen, dafür fehlt uns Deutschen wohl das Verständnis.

Andererseits liest man immer wieder darüber, dass immer mehr BundesarbeitnehmerInnen mit ihrer Arbeitsstelle unzufrieden sind und nur mit einem gewissen inneren Widerwillen jeden Morgen an ihrem Arbeitsplatz antreten. Physische und psychische Überbelastung, ein mieses Betriebsklima, cholerische Chefs: So ganz finden sie dann eben doch nicht ihre Erfüllung in ihrem Job, sie gehen nicht in ihrem Beruf auf, empfinden ihre ausgeübte Tätigkeit nicht als Berufung. Ach ja, sehr viele "Cleverles" unter unseren Arbeitsbienen sind zudem wahre Meister im bauen von Urlaubsbrücken. Da wird schon frühzeitig am Kalender ausgetüftelt, wie man auch im kommenden Jahr mittels geschickter Nutzung von Feiertagen durch Inanspruchnahme nur weniger Urlaubstage möglichst viele arbeitsfreie Tage herausbekommt. Arbeiten zu gehen ist somit für sie wohl halt doch eher ein notwendiges Übel zur Sicherstellung ihres Lebensunterhalts und nicht ihr alleiniger Lebenszweck. Nur gibt man als "fleißiger Deutscher" sowas niemals zu - und wenn dann nur anonym in einer Umfrage oder im engsten vertrauenswürdigen Kreis. Man gehört sonst ja nicht mehr richtig dazu...

Meiner Meinung nach sagt die Tatsache, ob ein Mensch eine Arbeit hat und welcher Art seine ausgeübte Tätigkeit ist absolut nichts über seinen gesellschaftlichen Wert sowie seine positiven oder negativen menschlichen Qualitäten aus. Dieses denken nach dem Motto "Hast du eine Arbeit gehörst du zu uns, falls nicht bist du ein Außenseiter" ist einfach nur albern. Noch alberner ist es, wenn man auch noch Einteilungen in "gute" und "schlechte" Arbeit bzw. Tätigkeiten vornimmt. Müller z.B. ist Verwaltungsangestellter, also übt er einen "guten" Beruf aus. Schmidt dagegen ist nur "Straßenkehrer" und das auch bloß als 1-Euro-Jobber, folglich kann man seine Arbeitsleistung doch nicht als gleichrangig mit der von Müller betrachten. Sorry, aber wieso eigentlich nicht?

Wir sollten uns schon vor Augen halten, dass jede Sekunde, die wir an unserem Arbeitsplatz verbringen, unwiederbringlich verlorene Lebenszeit ist. Jeder arbeitende Mensch, egal ob nun in vermeintlich "besseren" oder "niederen" beruflichen Positionen opfert quasi hierfür einen Großteil seiner insgesamt gesehen relativ knapp bemessenen Lebenszeit. Nicht wenige ArbeitnehmerInnen tragen aufgrund ihrer Tätigkeit bzw. Arbeitsumstände zudem auch körperliche und/oder psychische Beschwerden davon, was nicht selten eine erhebliche Einschränkung ihrer Lebensqualität im wohlverdienten Ruhestand nach sich zieht. Dessen sollten wir uns bei der Bewertung jeglicher Form von Arbeit bewusst sein. Ich persönlich fände es übrigens vollkommen angebracht, wenn auch solche Aspekte in die Bemessung von Löhnen/Gehältern mit einbezogen würden und nicht nur die viel beschworene Produktivität. Die am Anfang dieses Absatzes angeführten Faktoren sollten hierbei auf Arbeitgeberseite ebenso berücksichtigt werden wie rein materielle Überlegungen bezüglich "Welchen optimalen Wert/Gewinn kann ich als Arbeitgeber aus der Tätigkeit des Beschäftigten XY schöpfen?".

Kommen wir aber nun noch einmal auf die Leih- und Zeitarbeit sowie alle anderen Niedriglohninstrumente zurück. Auch unter den in diesen Arbeitsverhältnissen Beschäftigten gibt es durchaus etliche VertreterInnen, die sich damit "gut" fühlen, ja sogar einen gewissen Stolz dabei empfinden. Schließlich, so argumentieren diese Menschen, würden sie dem Staat dadurch ja nicht komplett auf der Tasche liegen statt wie diese ganzen anderen "Asis" nur träge zuhause zu hocken und hätten zudem das Gefühl, doch noch gebraucht zu werden: "Arbeit, sei es auch zu jedem noch so niedrigem Lohn/Gehalt, verleiht mir dennoch ein Gefühl von Würde!". Sie fühlen sich ihrer eigenen Einschätzung nach somit ebenfalls den "fleißigen Deutschen" zugehörig, auch wenn sie dabei sich bzw. ihre Arbeitskraft weit unter Wert verkaufen. Sie möchten sich eben von den anderen "armen Schweinen" abheben, sich - obwohl selbst nur ein "kleines Würstchen" - als noch über diesen stehend empfinden können. Freunde, Nachbarn, Landsleute - genau durch diese Denke fördert und unterstützt ihr doch nur diese rigorose Ausnutzung der seit Einführung der Agenda 2010 erheblich verschlechterten Situation aller Arbeitsuchenden! Durch Eure Bereitwilligkeit, euch als billiger Jakob zu verdingen, leistet ihr der fortschreitenden Ausbeutung von ArbeitnehmerInnen doch nur Vorschub! Außerdem: Nur die allerwenigsten Leih-/Zeitarbeitskräfte und auch alle anderen GeringverdienerInnen kommen aus diesen Verhältnissen jemals wieder raus! Und im Alter müsst ihr trotz jahrzehntelangem arbeiten auch weiterhin als Bittsteller auf "dem Amt" aufschlagen, weil die Rente zum (Über-)Leben nicht ausreicht! Und natürlich gebt ihr den Arbeitgebern durch diese eure Einstellung die Möglichkeit, die Lohnspirale auch für die in  noch "regulären" Beschäftigungsverhältnissen stehenden ArbeitnehmerInnen weiter und weiter nach unten zu drehen! Ist es unter diesen Umständen wirklich so großartig, sich als GeringverdienerIn allein durch die Tatsache, dass man überhaupt arbeitet, über anderen stehend zu betrachten? Lügt ihr euch nicht in die eigene Tasche, wenn ihr behauptet, selbst als Ausgebeutete dennoch so etwas wie "Würde durch Arbeit" zu verspüren?
Ich für meinen Teil empfände, wenn ich trotz Vollzeitarbeit von meinem Arbeitgeber als Aufstocker zum Amt geschickt werde, meine Arbeitsleistung eben nicht hinreichend durch selbigen gewürdigt.

Um Missverständnisse auszuräumen: Auch ich sehe Arbeit derzeit mangels ausreichender bzw. mehr oder minder "auskömmlicher" Alternativen als Grundlage zur Sicherung des Lebensunterhalts als beste aller Möglichkeiten an. Ich scheue mich auch vor keiner noch so "schmutzigen" und/oder "harten" Arbeit! Nur muss meine Arbeitsleistung seitens des Arbeitgebers auch entsprechend honoriert werden. Trotz Vollzeittätigkeit zusätzliche staatliche Leistungen erbetteln zu müssen, das ist nun mal unter meiner Würde. Da hilft auch keine noch so pseudo-religiöse Überhöhung des gesellschaftlichen Stellenwerts von Arbeit.
Es fielen mir durchaus noch einige weitere Anmerkungen zu diesem Themenkomplex ein, aber ich beende den Beitrag jetzt trotzdem. Das artet sonst noch in Arbeit aus...








.

Mittwoch, 25. Januar 2012

Arbeit - ein deutscher Fetisch?

Zum vergangenen Wochenende wurde vermeldet, dass die Zahl der Leih- und Zeitarbeitskräfte langsam aber stetig auf die 1 Mio.-Schallmauer zusteuert (Stand Mitte 2011: 910.000). Diese Nachricht dürfte manch fanatischem Angehörigen der Sekte der extremistisch-neoliberalen Wirtschaftsreligiösen in einigen Parteien und Wirtschaftsverbänden samt angeschlossener "Experten" wohl eine ziemlich feuchte Hose (von innen!) beschert haben. Über den Innenbereich der Hosen von an der forcierten Entwicklung/Umsetzung dieses "Arbeitsmarktinstruments" nicht unerheblich Verantwortlichen wie den Herren Schröder, Steinmeier, Steinbrück, Clement & Co. wollen wir besser gar nicht erst spekulieren.

Mich als Totalverweigerer hinsichtlich Niedriglohnsektor/Leih- und Zeitarbeit/"Bürgerarbeit"/1-Euro- und Minijobs besorgt diese Meldung natürlich. Denn schließlich besagt sie ja, dass eine nicht unerhebliche Anzahl von MitbürgerInnen - wenn auch zumeist nicht freiwillig - sich diesem "Arbeitsmarktinstrument" zur Verfügung stellt. Durch ihre (zugegebenermaßen oftmals "von Amts wegen" erzwungene/erpresste) Bereitschaft, sich als Leih-/ Zeitarbeitskräfte oder anderweitig als Niedriglöhner zu verdingen, tragen sie sie nun mal nicht unwesentlich zur Verfestigung dieses modernen Lohnsklaventums in unserer Gesellschaft bei. Der Druck nach unten, der durch die steigende Zahl dieser Geringverdiener auf (noch) zumindest halbwegs "normale" Löhne/Gehälter ausgeübt wird, sollte dabei auch nicht außer Acht gelassen werden. Nun frage ich mich: Was wäre, wenn ausnahmslos alle von diesen "Arbeitsmarktinstrumenten" Betroffenen sich diesen einfach verweigern würden?

Stellen wir uns mal folgendes Szenario vor: Alle von Niedriglohn, Aufstockung, Mini- und 1,-Euro-Jobs, „Bürgerarbeit“, Dauerpraktika, unfreiwillig ausgeübter 400,- Euro- und Teilzeitjobs sowie von Leih- und Zeitarbeit betroffene Menschen würden auf einen Schlag sagen „Halt, es reicht! Mit mir nicht mehr!“ und sich komplett den aufgezählten "Arbeitsmarktinstrumenten" verweigern (man könnte das ja einen „Streik der Nicht- und Kaum-Bezahlten“ nennen). Wenn wir nun dabei noch berücksichtigen, dass die Zahl der Beschäftigten im gesamten Niedriglohnsektor aktuell rd. 7 Mio. Menschen beträgt wird deutlich, welches Machtpotential allein durch diese enorme Anzahl hier verborgen schlummert. Wenn all diese Menschen einfach von heute auf morgen zuhause bleiben und diejenigen, die von ihrem Jobcenter in entsprechende Arbeitsverhältnisse gezwungen werden sollen, entgegnen würden „Nein! Ich möchte `richtige´ Arbeit!“ kämen so einige „Leistungsträger“ mitsamt ihrer Erfüllungshilfen gehörig ins schwitzen. Da würden sehr viele Räder einfach still stehen und in manchen Wirtschaftsbereichen ginge so gut wie nichts mehr. Die Argen/ Jobcenter würden mit dem Verhängen von mehreren Millionen Sperren und Leistungskürzungen vermutlich schlicht restlos überfordert sein und unter der gewaltigen Anzahl von zu erstellenden Bescheiden regelrecht zusammenbrechen. Durch eine solche Massenverweigerung käme meiner Auffassung nach bestimmt ordentlich Bewegung in die Köpfe unserer "Leistungseliten"!

Natürlich ist das eben erdachte Szenario in der Praxis wohl recht unwahrscheinlich. Es gibt nun mal auch bei den von Niedriglohn betroffenen Menschen sehr viele unterschiedliche Denk- und Verhaltensmuster. Wie überall ist nun mal auch hier alles bunt gemischt vertreten: Mutige und ängstliche Gemüter, obrigkeitshörige und „rebellische“ Charaktere, andere wollen einfach nur ihre Ruhe haben usw. Sie alle unter einen Hut zu bringen dürfte extrem schwierig sein, ganz abgesehen von den Problemen, solch eine konzentrierte Aktion überhaupt zu organisieren. Das vorstehende sollte halt lediglich ein Versuch sein darzustellen, dass viele „Kleine“ z.B. durch gemeinsame Verweigerung so einiges bewegen könnten so sie denn dazu bereit wären.


In diesem Zusammenhang stellt sich mir auch noch die Frage: Wieso wird "die Arbeit" als solche überhaupt bei uns so hoch gehängt? Mir ist z.B. aufgefallen das, wenn man neue Leute kennen lernt, nach der namentlichen Vorstellung oftmals gleich daran anschließend Fragen kommen wie "Was machen Sie beruflich?" oder auch "Ich bin bei `Schulze und Sohn´ in der Buchhaltung beschäftigt. Und wo arbeiten Sie und was machen Sie dort?". Es interessiert also vor allem anderen, ob das neu kennengelernte Gegenüber a) überhaupt Arbeit hat und b) was für eine. Fragen nach dem allgemeinen Wohlbefinden, familiären Verhältnissen, Hobbys/Interessen folgen erst im weiteren Gesprächsverlauf. Sollte die Antwort auf die Frage nach dem beruflichen Wirken allerdings "Ich bin leider z.Zt. arbeitslos" lauten kann es jedoch schnell passieren, dass es keinen allzu langen weiteren Gesprächsverlauf geben könnte. Derartige Antworten führen bei nicht wenigen BundesbürgerInnen heutzutage schnell mal zu skeptischen Blicken und/oder einem Naserümpfen: "Wie jetzt? Keine Arbeit? Na dann viel Erfolg weiterhin bei der Suche. Ich muss jetzt leider weiter.". Nee, mit "so welchen" möchte man dann doch lieber nicht allzu viel zu schaffen haben. Die gehören ja schließlich irgendwie nicht mehr "zu uns".

Oder man lese mal täglich die Todesanzeigen im örtlichen Tagesblättchen. Einleitungen wie "Nach einem langen arbeitsreichen Leben..." oder "Nach einem erfüllten und reichen Arbeitsleben..." sind darin nicht selten vorzufinden. Auf dem kleinen Friedhof meines Heimatortes kann man auf einem Grabstein sogar die Inschrift  "Sein Leben war Arbeit" lesen. Selbst über den Tod hinaus wird hierbei also der Arbeit bzw. dem arbeiten gehuldigt. Als ob derartiges nun etwas über die menschlichen Qualitäten der Verblichenen aussagen würde: Er/sie hat viel gearbeitet und folglich war er/sie allein deswegen auch ein "guter" Mensch.

Der Übersichtlichkeit wegen teile ich diesen Beitrag jetzt mal lieber in zwei Teile auf. Zu lang wird bekanntlich schnell langweilig. Beschäftigen wir uns also mit der Arbeit als urdeutsches "heiliges Gut" im nachfolgenden Beitrag weiter.











Mittwoch, 28. Dezember 2011

Als der Fortschritt fort schritt

Eigentlich dachte ich bis vor wenigen Jahren, die Menschheit wäre im Laufe ihrer Geschichte gemeinsam mit dem technischen Fortschritt trotz einiger Rückschläge zwischendurch ebenfalls peu á peu in ihrer menschlichen Entwicklung fortgeschritten. Es sah für mich jedenfalls zumindest in der Bundesrepublik Deutschland eine gewisse Zeit lang durchaus danach aus. Vor allem die 1970-er-Jahre hindurch bis ca. bis in das erste Drittel der 1980-er hinein konnte man die Hoffnung haben, es liefe bei uns langsam aber dennoch stetig auf eine positive und vor allem "menschlichere" gesamtgesellschaftliche Entwicklung hinaus:
- Soziale Gerechtigkeit und sozialer Friede schienen nicht nur leere Phrasen zu sein.
- ein Arbeitsentgelt, von dem auch weniger gut qualifizierte Arbeitnehmer/-innen bei Vollzeittätigkeit wenigstens einigermaßen auskömmlich leben konnten, war eigentlich Normalität.
- Unabhängig vom jeweiligen Schulabschluss war für die große Mehrzahl der Schulabgänger/-innen die Lehrstellen-/Ausbildungsplatzsuche zumeist recht schnell erfolgreich beendet.
- Banken und Realwirtschaft arbeiteten überwiegend noch mit- und füreinander.
- Die "Normalbevölkerung" war noch nicht zu stark in einzelne Interessengruppen gespalten worden und der  menschliche Egoismus hielt sich in einigermaßen erträglichen Grenzen.
- Die Menschen wurden von Politik und Wirtschaft zumeist noch als reale Menschen wahrgenommen und nicht nur als nackte Zahlen in irgendwelchen Statistiken und Kosten-/Nutzenrechnungen. Sie wurden außerdem auch noch nicht im Sinne von "als Wählergruppe (noch) interessant/nicht mehr interessant" oder "als Marktteilnehmer (noch) benötigt/nicht mehr benötigt" und "als Arbeitskraft (noch) erforderlich/nicht mehr erforderlich" selektiert.
- Negative menschliche Eigenschaften wie z.B. Gier, nur zu gern vermeintliche Sündenböcke zu suchen und auch stets zu finden oder in Elitekreisen die dort selbst als solche empfundene "Erhabenheit"/"Ausgewähltheit" der Öffentlichkeit mit Wonne vorzuführen gab es wie eh und je auch seinerzeit, konnten jedoch noch in einem relativ erträglichen Rahmen unter Kontrolle gehalten werden.
- Die Bereitschaft zur Wahrung des inneren und äußeren Friedens war im Vergleich zu heute wesentlich höher.
Kurzum: Es gab eine Art "Leben und leben lassen"-Mentalität in vielen Köpfen sowohl bei "denen da oben" als auch bei "uns hier unten".

Doch wie so oft habe ich offensichtlich mal wieder komplett falsch gedacht. In den letzten Jahren ist der von mir vermutete menschliche Fortschritt zunehmend wieder zurück geschritten. Die Gier als Triebfeder allen Denkens und Handelns hat bei unseren "Leistungseliten" erneut die Oberhand gewonnen, menschliche Skrupel sind bei der Mehrung der eigenen Vermögen keine mehr vorhanden - alles, was ordentlich Geld bringt, ist somit erlaubt. Ob Spekulation auf Nahrungsmittel, ob Ausbeutung von Menschen als Billigstarbeitskräfte, ob Kriegführung aus rein wirtschaftlichen Gründen - wenn mit der Not und sogar dem Tod anderer Menschen Geld zu scheffeln ist fallen mittlerweile auch die letzten Hemmungen. Das jetzige System samt seiner Profiteure benötigt nun mal sehr viel Geld - reales als auch zunehmend virtuelles Spielgeld - , um sich selbst am laufen und überleben zu halten. Wo es letztlich herkommt spielt dabei keine Rolle mehr. Im Zuge dessen wurde auch die "Normalbevölkerung", nicht zuletzt dank bereitwilliger Mithilfe durch viele der sog. "Leit- und Qualitätsmedien", Schritt für Schritt wieder in eigentlich überwunden geglaubte Denk- und Verhaltensweisen "zurückgeführt".

Wurde z.B. jemand in jenen "besseren" Jahren arbeitslos wurde ihm aus der Gesellschaft heraus persönliche Anteilnahme, allgemeine Solidarität und "moralische Unterstützung" entgegengebracht ("Ach, das ist doch nicht so schlimm, das kann doch jedem passieren. Du schaffst das schon und wirst bestimmt schon bald was Neues finden!"). Heute hingegen ist ein Arbeitsuchender für nicht wenige unserer Mitmenschen ein "fauler Sack", der eh selbst an seiner Arbeitslosigkeit schuld ist, ein "Schmarotzer" oder "Parasit". Und selbstverständlich haben die Arbeitsuchenden die Hauptschuld daran, dass ich so wenig verdiene, dass meine Rente zu niedrig ist und am schlechten Wetter sowieso. Und weil es so bequem ist packen wir gern auch noch die eine oder andere weitere gesellschaftliche Minderheit zu unserem "Sündenbocksortiment" hinzu.

In vielen Betrieben gibt es mittlerweile keine Kollegialität mehr, sondern dort herrscht ein Klima des Misstrauens und der Angst vor. Mein ehemaliger Kollege ist mein Konkurrent, den ich stets aufs Neue "bekämpfen" muss und sei es durch Leistung von mehr unbezahlten Überstunden als wie er vorweisen kann. Schließlich ist es doch besser, wenn in diesen unsicheren Zeiten er fliegt statt ich. Und so ein bisschen zusätzliches Mobbing kann unter Umständen ja auch noch recht hilfreich sein, denn schließlich ist jeder sich selbst der Nächste.
Dazu sind wir alle nur noch auf reine Markt- und Wettbewerbsteilnehmer reduziert worden bzw. haben uns darauf reduzieren lassen. Also passe dich gefälligst in ausnahmslos allen Lebensbereichen den herrschenden Markt- und Wettbewerbsbedingungen an, sei rücksichtslos, denke nur an dich und dein eigenes Wohlergehen sowie dem deiner Familie oder, falls nicht, bleibst du eben ganz einfach auf der Strecke.

Wie sich ein "Wohlhabender" fühlt, wenn er mithilfe seines Laptops dabei zusieht, wie sein im Vergleich zu uns "hier unten" eigentlich schon gewaltiges Vermögen noch immer weiter wächst, kann ich nicht beurteilen. Ich war noch nie in der "Verlegenheit", über ein nennenswertes Geld- und/oder Sachvermögen zu verfügen. Ob er dabei ein Hochgefühl verspürt, wenn er seinen einen Platz vor ihm stehenden Konkurrenten in der Geldrangliste soeben überholt (ob ihm dabei also sozusagen "einer abgeht"), ob er sich Gedanken darüber macht, auf wessen Rücken und Kosten seine Vermögensmehrung eigentlich zustande kommt, ob dadurch und damit anderen Menschen möglicherweise Schaden zugefügt wird - keine Ahnung. Es ist meiner Einschätzung nach jedoch nicht auszuschließen, dass menschliche Gier den Verstand und das Gewissen blockieren könnte.

Das in den vergangenen Jahren hinsichtlich des Denkens und Handelns zunehmend wieder eher niedere menschliche Instinkte sowohl bei "denen da oben" als auch bei "uns hier unten" die Oberhand gewonnen haben ist m.E. als äußerst bedenklich einzustufen. Darin dürfte ein gewaltiger gesellschaftlicher Sprengstoff enthalten sein. Über die Ursachen, die diese niederen Instinkte reaktiviert und zu einer erneuten Vormachtstellung geführt haben könnten, mache ich mir aber in einem gesonderten Beitrag noch meinen Kopf.

Fressen oder selbst gefressen werden. Wenn jeder nur an sich denkt ist an alle gedacht. Und willst du nicht mein Bruder sein, dann hau´ ich dir den Schädel ein - derartiges mag in archaischer Zeit einmal seine Berechtigung gehabt und das eigene überleben ermöglicht haben, aber in unserer heute angeblich so "fortschrittlichen" und "zivilisierten" Welt dürfte das wohl kaum noch zeitgemäß sein. Für mich jedenfalls stellt diese Steinzeitdenke einen erheblichen Rückschritt vom (menschlichen) Fortschritt dar.